Presse RufBus NF 3 (HN 8.11.17)

Bislang ein Erfolgsmodell: Ein behindertengerechter Rufbus bedient während der Pilotphase zunächst das mittlere Eiderstedt.

Wenn der Bus auf Anruf hält     Rufbus-Pilotprojekt läuft erfolgreich im mittleren Eiderstedt / Neues System soll überall auf dem nordfriesischen Festland eingeführt werden

Nordfriesland: In weiten Teilen Nordfrieslands wird der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in den nächsten Jahren in neue Bahnen gelenkt. Ein Rufbus-System soll es Einheimischen und auch Urlaubsgästen künftig ermöglichen, im Zwei-Stunden-Takt ihre persönlichen Wunsch-Ziele in der Region, den nächstgelegenen Zentralort oder auch den Bahnhof zu erreichen, um den Anschlusszug zu bekommen – Anruf genügt.

Was wie Zukunftsmusik klingt, ist in Eiderstedt teilweise bereits Realität: Im Herzen der Halbinsel – zwischen Westerhever, Garding und Vollerwiek – läuft seit dem Frühjahr ein eineinhalbjähriges Rufbus-Pilotprojekt, das aus Mitteln der Europäischen Union, des Kreises Nordfriesland und der Aktiv-Region Südliches Nordfriesland finanziert wird. Kooperationspartner sind die DB-Autokraft, der Nahverkehrsverbund SH und nicht zuletzt jene neun Gemeinden, die sich in punkto ÖPNV zum Kooperationsraum Mittleres Eiderstedt zusammengeschlossen haben. Das Rufbus-Modell soll zum 1. August 2018 auf ganz Eiderstedt und den ländlichen Süden Nordfrieslands sowie Festlands-Südtondern übertragen werden. Die Ausschreibung läuft. Bredstedt und Umland sind dann ein Jahr später dran. Insgesamt sollen 18 Rufbus-Kooperationsräume gebildet werden.

Für die Nutzer hat das neue System (www.amt-eiderstedt.de ) handfeste Vorteile: Mindestens zwei Stunden vorher können sie eine zwischen 8 und 18 Uhr besetzte Telefonzentrale kontaktieren und bekommen dann vom Rufbus-Fahrer mitgeteilt, wann er sie an welcher Haltestelle abholt. Der Termin für die Rücktour wird dann im Bus selbst vereinbart. Pro Fahrt werden in Eiderstedt moderate 1,80 Euro fällig. Von August 2018 an sollen auch Schülerfahrkarten anerkannt werden.

Die Einführungsphase kann sich sehen lassen, zuletzt wurden die Erwartungen sogar übertroffen: „Im mittleren Eiderstedt läuft es richtig gut, teilweise gehen die Nutzerzahlen sogar durch die Decke“, freut sich Uwe Schwalm. Der Grünen-Fraktions-Chef im Kreistag und dritte stellvertretende Landrat begleitet das Pilotprojekt zusammen mit weiteren ehrenamtlichen Mitstreitern aktiv in der Arbeitsgemeinschaft Mobilität, mit dem Rufbus-Orchester und einer monatlichen Veranstaltungsreihe im Theatrium in Tetenbüll.

Laut Statistik hat das Pilotprojekt die Erwartungen in den ersten sechs Monaten erfüllt und teilweise sogar übertroffen. Danach nutzten rund 1500 Fahrgäste, darunter 75 Prozent Einheimische und etwa 150 Jugendliche, das neue Angebot des barrierefreien, mit 22 Sitzplätzen und W-Lan ausgestatteten Rufbusses. Damit wurden 35 Prozent der von dem Rufbus-Unternehmer Ralf Hinrichsen angebotenen Fahrplan-Kilometer tatsächlich abgerufen. Eine vergleichsweise gute Quote, wie Uwe Schwalm zu berichten weiß. Angepeilt wird für Nordfriesland insgesamt mittelfristig eine Quote von 40 Prozent, die Nutzerzahl soll also weiter deutlich gesteigert werden.

Was in Eiderstedt dank großen ehrenamtlichen Engagements und mit dem Vorlauf der Pilotphase auf den Weg gebracht ist, muss dann allerdings noch erfolgreich auf das übrige nordfriesische Festland übertragen werden. Und da ist Uwe Schwalm schon ein bisschen mulmig, ob das von August 2018 an reibungslos klappt. Denn dort gibt es den langen Vorlauf bei der Rufbus-Einführung nicht und noch haben sich die Gemeinden andernorts auch noch nicht zu Kooperationsräumen zusammengefunden. „Nun wird das Pferd leider vom Schwanz her aufgezäumt, zeitlich lässt sich das aber nicht anders machen“, sagt der engagierte Grünen-Politiker, dem die Mobilität im ländlichen Raum eine Herzensangelegenheit ist: „Mir liegt viel daran, dass der Rufbus auch im Norden Nordfrieslands ein Erfolg wird“, so der Tatinger. Deshalb plädiert er dafür, die kreisweite Umsetzung durch eine professionelle Info-Kampagne begleiten zu lassen – auch wenn dies extra Geld kostet. „Die Reserviertheit ist groß, die muss man erstmal aufbrechen“, so sein Rat.

„Wir stehen in Nordfriesland wirklich vor einem Paradigmenwechsel, vor einem neuen Zeitalter“, hatte auch Landrat Dieter Harrsen bei der jüngsten Zusammenkunft des nordfriesischen Gemeindetages in Drelsdorf für die geplante Neustrukturierung des Öffentlichen Personennahverkehrs geworben. Denn ein Rufbus-System im Zwei-Stunden-Takt gebe es in dieser Form in Schleswig-Holstein noch nicht: Erstmals kämen auch Bewohner ländlicher Räume in den Genuss einen Taktes vom kleinsten Ort zum nächst größeren. „Davon haben wir immer geträumt“, sagte Harrsen. Dafür nehme der Kreis Nordfriesland jährlich Haushaltsmittel in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro in die Hand – „und das ist es auch wert“, betonte der Landrat. Denn das künftige Angebot umfasse auch die Wochenenden und die Zeit der Schulferien. Allerdings weiß auch Harrsen, dass die Umstellung kein Selbstgänger wird. Seine Marschrichtung: „Wir brauchen Ehrenamtler, die dafür werben“, sagte er mit Blick auf das erfolgreiche Pilotprojekt.

Mit ehrenamtlichem Engagement allein ist es nach Auffassung der Kreistags-Mehrheit von CDU, FDP und Grünen freilich nicht getan. Das nordfriesische Jamaika-Bündnis bereitet deshalb für die Sitzung am 17. November einen Antrag zu diesem Thema vor. Auf diesem Weg soll der Landrat aufgefordert werden, sich bei der kreisweiten Einführung der sogenannten dritten Netzebene der Unterstützung eines professionellen externen Büros zu bedienen und dabei Erfahrungen mit dem Rufbus-Pilotprojekt im mittleren Eiderstedt einzubeziehen. fu

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